Klimafreundliches Catering: Pflanzenbetonte Menüs, Transport, Energie und CO2-Kennzeichnung

Redaktion sustainable-catering.eu · Stand 19. Oktober 2026

Ein klimafreundliches Catering setzt zuerst beim Menü an: Pflanzenbetonte Gerichte mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide und wenig Rindfleisch, Butter und Käse senken die Klimawirkung am stärksten. Danach folgen eine Mengenplanung, die Reste vermeidet, saisonale Zutaten ohne Flugware und beheizte Gewächshäuser sowie gebündelte Anfahrten und sparsamer Energieeinsatz. CO2-Angaben pro Gericht können helfen, sind aber freiwillig. Werbung mit „klimaneutral“ auf Basis von Kompensation ist seit 27. September 2026 gegenüber Verbrauchern nicht mehr zulässig.

Wo die Emissionen eines Caterings entstehen

Bei einem Catering entstehen Treibhausgase entlang der ganzen Kette: in der Landwirtschaft, bei Verarbeitung und Transport, in der Küche (Kochen, Kühlen, Warmhalten), durch Geschirr und Verpackung und durch Lebensmittel, die am Ende weggeworfen werden. Bei Lebensmitteln entfällt der größte Teil der Emissionen typischerweise auf die Erzeugung, nicht auf den Transport.

Besonders deutlich wird das bei tierischen Produkten. In der Studie des ifeu-Instituts zu ökologischen Fußabdrücken von Lebensmitteln in Deutschland (2020) liegt konventionelles Rindfleisch bei rund 13,6 kg CO2-Äquivalenten je Kilogramm, Butter bei rund 9 kg. Die meisten Gemüsesorten aus Freilandanbau liegen nur bei einem Bruchteil davon. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat 2024 erstmals auch Umweltaspekte in ihre Empfehlungen einbezogen und empfiehlt Erwachsenen höchstens 300 g Fleisch und Wurst pro Woche sowie eine Ernährung, die zu mehr als drei Vierteln aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht.

Die Hebel im Überblick

Hebel Wirkung auf das Klima So setzen Sie es um
Menüzusammensetzung sehr hoch vegetarische oder vegane Hauptlinie, Rindfleisch vermeiden, Butter und Käse sparsam
Lebensmittelabfälle hoch verbindliche Gästezahl, realistische Mengen, Resteverwertung
Saison und Anbau mittel bis hoch Saisonware, keine Flugware, kein beheiztes Gewächshaus
Logistik mittel Caterer aus der Nähe, gebündelte Fahrten, emissionsarme Fahrzeuge
Energie in der Küche mittel effiziente Geräte, Ökostrom, kurze Warmhaltezeiten
Geschirr und Verpackung gering bis mittel Mehrweg statt Einweg
Bio-Anbau unterschiedlich wichtig für Böden, Artenvielfalt und Pestizideinsatz, pro Kilogramm aber nicht automatisch klimafreundlicher

Die Einstufung ist eine grobe Orientierung. Die tatsächliche Wirkung hängt vom einzelnen Catering ab.

Hebel 1: Pflanzenbetonte Menüs

Ein klimafreundliches Menü muss nicht vegan sein. Schon diese Schritte machen viel aus:

  • Vegetarisch als Standard: Die vegetarische Option ist die Hauptlinie, Fleisch oder Fisch gibt es als Zusatz.
  • Rind ersetzen: Wenn Fleisch, dann eher Geflügel oder Schwein in kleinen Mengen statt Rind und Lamm.
  • Milchprodukte bewusst einsetzen: Sahnesaucen, Butter und viel Käse treiben die Bilanz. Gemüsebasierte Saucen, Öle und Hülsenfrucht-Cremes sind gute Alternativen.
  • Hülsenfrüchte und Getreide: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Dinkel und Hafer liefern Eiweiß und sättigen.
  • Gutes Wording: „Ofengemüse mit Kräuterpolenta“ verkauft sich besser als „vegetarische Alternative“.

Für vegane Feiern finden Sie Menüideen im Ratgeber Veganes Catering zur Hochzeit.

Hebel 2: Weniger Lebensmittelabfälle

Jedes weggeworfene Essen hat seine Emissionen bereits verursacht. Eine verbindliche Gästezahl, realistische Mengen und ein Plan für Reste sind deshalb Klimaschutz. Konkrete Tipps finden Sie unter Lebensmittelverschwendung beim Catering vermeiden.

Hebel 3: Saison, Anbau und Transport

Transport macht bei den meisten Lebensmitteln einen kleineren Teil der Emissionen aus als die Erzeugung. Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen:

  • Flugware: Per Flugzeug transportierte Lebensmittel, etwa manche Beeren, Spargel außerhalb der Saison oder frische exotische Früchte, haben eine deutlich höhere Klimawirkung als per Schiff oder Lkw transportierte.
  • Beheizte Gewächshäuser: Tomaten, Gurken oder Paprika außerhalb der Saison aus beheiztem Anbau können eine schlechte Bilanz haben, auch wenn sie aus der Nähe kommen.

Saisonale Ware umgeht beide Probleme. Der Ratgeber Saisonale Menüs enthält einen Saisonkalender. Warum „regional“ allein noch nichts über die Klimabilanz sagt, lesen Sie unter Regionales Catering.

Hebel 4: Logistik und Energie

  • Kurze Anfahrt: Ein Caterer aus Ihrer Stadt spart Fahrten. Fragen Sie, ob Lieferung, Aufbau und Abholung in möglichst wenigen Touren erfolgen.
  • Fahrzeuge: Manche Caterer liefern mit Elektrofahrzeugen oder Lastenrädern, besonders innerstädtisch.
  • Küche: Effiziente Geräte, Ökostrom und gute Planung (nicht alles stundenlang warmhalten) senken den Energieverbrauch.
  • Veranstaltungsort: Bei großen Events können die Anreise der Gäste und die Energie am Veranstaltungsort ebenfalls erheblich ins Gewicht fallen. Beziehen Sie sie in Ihre Planung ein.

Hebel 5: Geschirr und Verpackung

Mehrweggeschirr und Leihgeschirr vermeiden Abfall. Die Wirkung aufs Klima ist kleiner als die des Menüs, für den Gesamteindruck eines nachhaltigen Events aber wichtig. Leihgeschirr kalkuliert unser Kostenmodell mit 3 bis 7 € pro Person.

CO2-Kennzeichnung auf dem Menü

Immer mehr Caterer und Kantinen geben für Gerichte einen CO2-Wert an, etwa in Gramm CO2-Äquivalenten pro Portion, oder nutzen ein Ampel- oder Stufensystem. Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht. Wenn Sie solche Angaben nutzen möchten, achten Sie auf drei Punkte:

  1. Datenbasis: Welche Datenbank oder Studie liegt zugrunde?
  2. Systemgrenzen: Sind nur die Zutaten erfasst oder auch Transport, Küche und Abfall?
  3. Vergleichbarkeit: Werte aus unterschiedlichen Methoden lassen sich nicht direkt vergleichen.

Für Gäste sind einfache Kategorien oft verständlicher als genaue Zahlen.

Was bei „klimaneutral“ gilt

Mit der Richtlinie (EU) 2024/825 hat die EU irreführende Umweltwerbung eingeschränkt. Deutschland hat die Vorgaben im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt, sie gelten seit 27. September 2026. Danach ist es gegenüber Verbrauchern unzulässig, zu behaupten, ein Produkt sei klimaneutral oder habe eine verringerte Klimawirkung, wenn diese Aussage auf der Kompensation von Treibhausgasemissionen beruht. Auch allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“ ohne Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung sind nicht mehr erlaubt.

Für Sie heißt das: Ein Caterer, der sein Menü pauschal „klimaneutral“ nennt, weil er Zertifikate kauft, wirbt gegenüber Privatkunden unzulässig. Konkrete Angaben („überwiegend vegetarisch, keine Flugware, CO2-Wert pro Gericht nach Methode X“) sind aussagekräftiger. Auch Sie selbst sollten in der Kommunikation gegenüber Gästen konkret bleiben. Bei rechtlichen Fragen zur eigenen Werbung hilft eine Rechtsberatung.

Was kostet klimafreundliches Catering?

Klimafreundlich muss nicht teurer sein. Unser Kostenmodell rechnet mit diesen Richtwerten gegenüber einem konventionellen Menü:

Variante Typische Auswirkung auf den Preis
Vegetarisch 10 % günstiger bis gleich teuer
Vegan 10 % günstiger bis 5 % teurer
Bio-Anteil ca. 30 % 10 bis 15 % teurer
100 % Bio 20 bis 35 % teurer

Ein vegetarisches Menü mit Bio-Anteil kann so ungefähr auf dem Preisniveau eines konventionellen Fleischmenüs liegen. Ihre Konstellation können Sie im Kostenrechner durchrechnen.

Checkliste für die Anfrage

  • Vegetarische oder vegane Hauptlinie gewünscht
  • Kein Rind und Lamm oder nur als kleine Option
  • Saisonale Zutaten, keine Flugware
  • Verbindliche Gästezahl und Plan für Reste
  • Mehrweg- oder Leihgeschirr
  • Gebündelte Anlieferung
  • Konkrete Angaben statt pauschaler Klimaversprechen

Caterer mit Schwerpunkt auf vegetarischer, saisonaler und regionaler Küche finden Sie im Caterer-Verzeichnis.

Häufige Fragen

Was macht ein Catering klimafreundlich?

Vor allem ein pflanzenbetontes Menü, eine gute Mengenplanung gegen Reste und saisonale Zutaten ohne Flugware. Transport, Energie und Geschirr spielen ebenfalls eine Rolle, wirken aber meist schwächer als die Auswahl der Lebensmittel.

Muss ein klimafreundliches Catering vegan sein?

Nein. Schon ein überwiegend vegetarisches Menü mit wenig Rindfleisch und sparsamem Einsatz von Butter und Käse senkt die Klimawirkung deutlich. Vegan ist die konsequenteste, aber nicht die einzige Option.

Darf ein Caterer mit „klimaneutral“ werben?

Aussagen, ein Produkt sei klimaneutral, weil Emissionen durch Ausgleichsprojekte kompensiert werden, sind nach Richtlinie (EU) 2024/825 und dem angepassten UWG gegenüber Verbrauchern seit 27. September 2026 unzulässig. Konkrete, belegbare Angaben wie ein CO2-Wert pro Gericht bleiben möglich.

Wie verlässlich sind CO2-Angaben auf Speiseplänen?

Sie sind gute Orientierungswerte, hängen aber von Datenbasis und Rechenmethode ab. Vergleichen Sie Werte nur, wenn sie mit derselben Methode berechnet wurden, und fragen Sie den Caterer nach der Quelle.